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Miss Dich fit: die digitale Fitness-Welt – und der sinnvolle Umgang damit

Was war Fitness früher einfach: Wer den inneren Schweinehund besiegte, powerte durch, bis der Schweiß floss und der Körper „stopp“ sagte. Danach entspannte man sich stolz auf der Couch, ohne so genau zu wissen, ob man es richtig gemacht hat und was es am Ende gebracht hat. Heute hat die Digitalisierung für viele Menschen grundlegend verändert, wie sie an Fitness herangehen: Apps mahnen Couch-Potatoes zur Aktivität, Fitness-Tracker vermessen den Körper und machen die Ergebnisse des sportlichen Treibens transparent, Analyseprogramme zeigen Verbesserungspotenziale auf und Übungsvideos ersetzen schon für so manchen das Fitnesscenter.

 

„Quantified Self“ – macht das Sinn?

 

Ist diese neue Welt des sogenannten „Quantified Self“ (das in Zahlen gefasste Selbst) besser? Wie so oft lautet die Antwort „teils-teils“. Natürlich ist durch Daten allein noch niemand fitter geworden. Und wer nur auf die Analyse seiner Smartwatch vertraut, statt auf sein Körpergefühl zu hören, stärkt sein Selbstbewusstsein eher nicht und riskiert unerwünschte Effekte. Doch wer sich über Fitness-Apps Trainingsanstöße holt, sich durch digitale Belohnungssysteme anspornen lässt und seine Leistung misst, trainiert meist konsequenter und lernt den eigenen Körper besser einzuschätzen. Optimierungs-Tipps aus dem Smartphone ersetzen trotz allem nicht die Anleitung durch einen Fitnesstrainer – ebenso wenig wie die Meldung des Fitnessarmbands über erhöhten Blutdruck den Arztbesuch überflüssig macht. Doch gerade, dass „Wearables“ und Apps solche Anstöße geben können – eben anders zu trainieren oder auf seinen Blutdruck zu achten – kann die Gesundheit nur fördern!

 

Welche „Wearables“ brauche ich dafür?

 

Die Digitalisierung der Freizeit-Sportlichkeit begann mit dem Fitness-Armband. Dieser Klassiker ist heute besser denn je und kann weitaus mehr, als wie einst nur den Puls und die Fortbewegung messen. So sind die Geräte von Withings (früher Nokia) auch auf die Analyse zahlreicher Gesundheits-Werte spezialisiert, FitBit hält neben der Vermessung des Workouts eine detaillierte Analyse des Schlafverhaltens in petto, Garmin punktet mit immer detaillierteren Auswertungen der sportlichen Bewegungsabläufe und Samsung setzt noch Entertainment-Funktionen wie Musikplayer obendrauf. Hochwertige Geräte erkennen zudem selbst, wann man Sport treibt, statt wie die – ansonsten durchaus soliden – Preisbrecher chinesischer Firmen per Hand aktiviert werden zu müssen.

 

Doch langsam, aber sicher kaufen Smartwatches dem klassischen Fitness-Tracker den Schneid ab. Insbesondere Modelle von Garmin, FitBit und Samsung bieten inzwischen den Funktionsumfang von Fitness-Trackern, doch eben darüber hinaus noch alle Funktionen einer Smartwatch – von Anrufen bis zur Alexa-Integration. Wenn Sie sich also ohnehin für eine Smartwatch interessieren, brauchen Sie sich nicht unbedingt zwei „Wearables“ um den Arm binden.

 

Wer es mit seinem Fitness-Tracking ernst nimmt, ergänzt jedoch oft Tracker oder Smartwatch um weitere Sensoren wie z.B. Brustgurte, die noch genauer die verschiedenen Körperwerte aufzeichnen. Ein Auswahlkriterium ist daher, ob solche Erweiterungen vom Gerät unterstützt werden. Und für Alle, die gerne Wassersport treiben, ist ein weiterer wichtiger Prüfstein, ob das Wunsch-Produkt wasserfest statt nur spritzwassergeschützt ist – das trifft nämlich bei Weitem nicht auf alle Angebote zu!

 

Fitness Apps als Ergänzung – und manchmal sogar Alternative

 

Seine eigene körperliche Betätigung zu messen, führt noch nicht dazu, dass man sich auch wirklich mehr bewegt und die Bewegungen richtig ausführt. Hier schlägt die Stunde von Apps: Nicht nur kommen alle „Wearables“ im Bündel mit Apps, die die aufgezeichneten Daten analysieren, auf dieser Basis die Trainingsperformance einordnen und Tipps geben. Sondern auch, wer weder Tracker noch Smartwatch sein Eigen nennt, findet viele richtig gute Apps, die zeigen, wie man richtig trainiert und einem dazu anspornen.

 

Genannt seien hier zum Beispiel „Asana Rebel“ mit einem kombinierten Programm aus Yoga-Entspannung und intensivem Workout, „Seven“ mit 7-minütigen Intensivtrainings und „Sworkit“, wo ein komplett individuelles Zirkeltraining nach frei wählbaren Zielen erstellt wird. Diese Apps eint, dass für die empfohlenen Trainings keinerlei Ausrüstung notwendig ist und dass sie in der Basisversion nichts kosten – jedoch können gegen moderate Kosten weitere Trainings und individuelle Betreuung zugekauft werden . „Sworkit“ bietet dann sogar ein Belohnungssystem und die Möglichkeit, sich von Fitnesstrainern beraten zu lassen. Für Wiedereinsteiger und Erfahrene sind diese Programme eine tolle Lösung, um von zu Hause aus oder unterwegs auf gutem Niveau zu trainieren. Wer gerade erst beginnt oder sehr lange nicht mehr aktiv war, sollte sich jedoch bewusst sein, dass auch das beste Trainingsvideo weder eine medizinische Untersuchung, noch die Kontrolle der Bewegungsabläufe durch einen erfahrenen Trainer vor Ort ersetzt.

 

Jogger und Radfahrer finden sogar ein gutes Angebot an Apps, die allein über das Smartphone die Trainingseinheiten aufzeichnen und auswerten – Tempo, Distanzen, Höhenunterschiede und mehr. Ein Beispiel mit üppigem Funktionsumfang ist die APP „Strava“, die es ermöglicht, seine eigenen Werte mit denen der anderer Nutzer zu vergleichen. Schließlich spornt kaum etwas so an wie der Wunsch, Erste/r zu sein. Ohne die Kontrolle von Puls etc. durch „Wearables“ ist es aber umso wichtiger, gut darauf zu achten, sich auf der Jagd nach Punkten und Rekorden nicht zu überfordern.

 

Öde, aber wichtig: unbedingt an Datenschutz denken!

 

Ob Sie sich einer App anvertrauen oder einem „Wearable“ – wer sein Fitnesstraining digitalisiert, gibt sehr viel über seinen Körper, seine Tagesabläufe und seinen Aufenthaltsort preis. Wenn diese Daten in die falschen Hände geraten, kann das haarig werden. Möchten Sie, dass Ihr Chef weiß, wie (un)fit Sie sind, Ihre Krankenkasse Sie für zu wenig Training „bestraft“ oder Diebe nachverfolgen, dass Sie gerade am joggen sind?

 

Auch wenn es kaum etwas Öderes gibt als AGBs und dergleichen durchzulesen: Schauen Sie genau hin, welche Daten Ihre „Wearables“ und Fitness-Apps in der Cloud speichern. Eine anonyme Datenspeicherung  ist deutlich unkritischer, als wenn Ihr Name oder Ihre Adresse identifizierbar sind. Des weiteren ist eine Cloud mit Sitz innerhalb der EU stets zu bevorzugen. Nicht zuletzt: Bei allem Stolz über das gesunkene Gewicht, die straffen Muskeln oder den Rekord-Lauf – fragen Sie sich selbst immer wieder, was Sie wirklich in sozialen Medien oder Clouds mit Anderen teilen wollen. Schließlich geht es doch um Ihren Körper und Ihre Fitness – und Sie sind einzigartig!